Heroin – Vom Arzneimittel zur Droge

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Heroin – Vom Arzneimittel zur

Heroin kam nicht als Droge in die Welt, sondern wurde 1898 als Arzneimittel zur Therapie von Atemwegserkrankungen von den Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer und Co. entwickelt. Michael de Ridder dokumentiert erstmals die Geschichter dieser janusköpfigen Substanz, ihre Bedeutung als Arzneimittel und ihre Transformation zur Droge. Indem der Autor das Klischee einer dämonisierten Droge korrigiert, trägt er zur Versachlichng der drogenpolitischen Debatte um die heute in den meisten Staaten illegale Pharmadroge Heroin bei.

Dass Heroinabhängige heute noch immer mit Methadon substituiert werden, verdanken wir nicht medizinisch-humanitären Überlegungen. Denen zufolge ist die kontrollierte Abgabe des Originalstoffes eine Maßnahme ohne Alternativen. Wir verdanken dies der Bayer AG in Leverkusen, von der wir ursprünglich auch das Heroin haben. Aber heute stellt Bayer nicht mehr Heroin her, sondern eben nur Methadon. Und das will an die Leute gebracht werden, so wie in früheren Zeiten das Heroin. Es ist nicht der Berliner Arzt am Urban Krankenhaus in Kreuzberg, Michael de Ridder, der so hart urteilt. Doch diese Schlussfolgerung muss der geneigte Leser nach der Lektüre seines Buchs Heroin. Vom Arzneimittel zur Droge ziehen. Denn die Geschichte, die es vom Arzneimittel Heroin erzählt, das 1897 von den Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co. als Medikament zur Therapie von Atemwegserkrankungen und als Ersatz für das abhängig machende Schmerzmittel Morphin entwickelt wurde, ist zugleich die Geschichte darüber, mit welcher Chuzpe, etwa dem Kauf positiver wissenschaftlicher Gutachten, das patentrechtlich nicht geschützte Diacetylmorphin unter dem Markennamen Heroin zu einem der gewinnträchtigsten Markenartikel des Hauses aufgebaut und weltweit vermarktet wurde. Die Geschichte entspricht damit voll und ganz dem heutigen Pharmamarketing. Die um 1930 abgeschlossene Transformation des Arzneimittels zur Droge ist allerdings nicht den fahrlässigen Verkaufsmethoden der Pharmaindustrie gedankt. Sie ist eine Schöpfung der amerikanischen Drogenpolitik zu Beginn des Jahrhunderts. Da ist de Ridder ganz klar. Bei oraler Einnahme ist das Suchtpotenzial gering und selbst bei intravenöser Aufnahme wird es weit überschätzt. Heroin ist nicht ungesund. Es verändert nicht das Erbgut, erzeugt keinen Krebs und ist auch bei Dauergebrauch nicht giftig. Allerdings scheint es die Funktion des Zentralnervensystems zu verändern, womit die bekannte, schwierige Entwöhnung zusammenhängt. Daher spricht alles dafür Schwerstabhängige mit Heroin zu versorgen. In Großbritannien, wo Heroin noch heute legal hergestellt wird, bewährt es sich weiterhin bei der Schmerztherapie von Schwerstkranken und Sterbenden. –Brigitte Werneburg